Qualitätsmanagement im MQNK

Qualitätsmanagement wurde 2006 bundesweit verpflichtend eingeführt mit dem Ziel, die Patientenversorgung zu sichern und qualitativ zu verbessern. Nach § 135a und § 136a SGB V sind alle Vertragsärzte verpflichtet, ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System) in ihrer Praxis einzuführen. In der "Richtlinie über grundsätzliche Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagment" (GBA-Richtlinie) hat der Gemeinsame Bundesausschuss den Mindestumfang festgelegt. Die Einführung des QM-Systems sollte spätestens Ende 2009 abgeschlossen sein. Die kassenärztlichen Vereinigungen haben bereits mit der stichprobenartigen Überprüfung zum Stand der Einführung des QM-Systems in den Praxen begonnen.

 Ein QM-System soll jedoch nicht nur als bürokratische Verpflichtung wahrgenommen werden, sondern von den Mitarbeitern akzeptiert, flexibel und ausbaufähig sein.

Neben der Rechtssicherheit stehen Patientensicherheit und die Optimierung der Praxisführung im Vordergrund.

Eine Zertifizierung ist nicht vorgeschrieben. Nach bisherigem Stand müssen lediglich die Forderungen der GBA-Richtlinie erfüllt werden. Im Medizinischen Qualitätsnetz Kinzigtal e.V. haben wir uns mehrheitlich für das QM-System QEP (Qualitätsmanagement und Entwicklung in Praxen) der kassenärztlichen Vereinigungen entschieden und uns auch zertifizieren lassen.

Warum ein QualitätsManagement-System Sinn macht:

Der besonderen Qualitätsverantwortung des Arztes und seines Teams wird Rechnung getragen:

  • Wichtige Arbeitsabläufe sollen von allen gleich (gut) gemacht werden.  Deswegen gibt es die Arbeitsanweisungen (z. B. Verabreichung von Infusionen, Durchführung eines Ruhe-EKG).

  • Kritische Punkte, an denen eine relativ hohe Fehlerwahrscheinlichkeit mit bedeutenden potentiellen Auswirkungen besteht, sollen klar sein. An diesen Punkten werden Kontrollen durchgeführt und dokumentiert (z. B. Steri-Kontrollen, Temperatur des Medikamentenkühlschranks, Kontrollprobenmessung im Labor). Kritische Punkte sind auch oft im Hygienebereich zu finden. Deswegen werden Hygienepläne ausgearbeitet und befolgt.

  • Alle Mitarbeiter sollen beste Leistung bringen und den Patienten durch Kompetenz und Freundlichkeit Sicherheit vermitteln. Deswegen werden Schulungen durchgeführt und dokumentiert. Damit jede/r seinen/ihren Verantwortungsbereich kennt und bewusst wahrnimmt, gibt es ein Organigramm und Stellenbeschreibungen.

  • Jeder soll wissen, welche Ziele die Praxis hat und die Praxis soll erfolgreich laufen. Deswegen werden Praxisleitlinien und Qualitätsziele erarbeitet und die Zielerreichung bewertet.

  • Die Patienten sollen sich in der Praxis gut aufgehoben fühlen. Deswegen werden Patientenbefragungen durchgeführt und ausgewertet um die Wirksamkeit der oben aufgeführten Maßnahmen zu überprüfen.

  • Die Patienten sollen nach neuestem Wissensstand behandelt werden. Deswegen soll Leitlinien konform gearbeitet werden.

  • Fehler sollen vermieden oder – wenn passiert – schnell erkannt und behoben werden. Deswegen werden Reklamationen schriftlich aufgenommen und die getroffenen Korrekturmaßnahmen dokumentiert.

  • Alle Abläufe in Organisation und Behandlung sollen ständig verbessert werden. Deswegen werden aus Fehlern und Reklamationen Vorbeugungs- und Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet. Ein wichtiges Forum für diese Qualitätsarbeit ist die Teambesprechung.

  • Alle Geräte sollen zuverlässig funktionieren. Deswegen werden Gerätebücher geführt und alle Wartungen, Kalibrierungen, Funktionskontrollen sowie Reparaturen dokumentiert.

Warum müssen so viele Dokumente dafür erstellt werden?

  • Was man nicht aufschreibt, kann man nicht nachweisen.

  • Wenn es zum Streitfall kommt, kann man nachweisen, dass man verantwortungsbewusst gehandelt hat.

  • Nur was schriftlich festgelegt wurde, wird als verpflichtende Handlungsgrundlage akzeptiert. Das liegt einfach in der Natur des Menschen.

  • Viele Dokumente müssen sowieso auf Grund gesetzlicher Anforderungen erstellt werden (z. B. Gerätebücher oder Hygieneplan).

Was haben die Patienten davon?

Der Patient erfährt durch das aktiv betriebene Informationsmanagement die für ihn so wichtigen „Spielregeln" der Praxis. Er wird somit aktiv in den von der Praxis festgelegten Prozess mit eingebunden und erlebt somit die von der Praxis betriebene Patientenorientierung hautnah. Der Patient fühlt sich angenommen und wird sich an die Praxis gebunden fühlen. Auch die an ihm praktizierte medizinische Qualität wird im Laufe der Zeit verbessert. Dafür sorgen schon allein die von den Ärzten und Praxisteams festgelegten Qualitätsziele , die Jahr für Jahr individuell auf einzelne medizinische Bereiche festgelegt werden.

Was haben die Mitarbeiter davon?

Eine ganze Menge. Die Mitarbeiter erfahren durch das aktive Einführen von systematischen Modulen in die Betriebsorganisation der Arztpraxis einen Motivationsschub. Klare , transparente Rahmenbedingungen und gemeinsam festgelegte Regularien motivieren dazu, sich auch künftig aktiv über den Praxisalltag hinaus einzubringen. Das QM-System gibt den Mitarbeitern einen klar erkennbaren Rahmen zur Orientierung. Die Unternehmenskultur gewinnt an Profil. Die interne Kommunikation wird beständig verbessert und führt dazu, dass das gesamte Team auf einem Informationsstand und später auch Ausbildungsstand ist.

Die guten bis sehr guten Resultate bestätigen den eingeschlagenen Weg. Unabhängig von der gesetzlichen Verpflichtung sehen wir im QM-System eine Chance, unsere Praxis wettbewerbsfähig zu halten und wirtschaftlich zu stabilisieren. Gleichzeitig kann QM sich auch als anerkanntes Instrument zur Verbesserung der Arbeitszufriedenheit von Ärzten und Mitarbeitern durchsetzen, was wiederum ganz überwiegend positiv von den Patienten aufgenommen wird.